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IT-Fachleute sollten sich bei Bewerbungsgesprächen auf kuriose Fragen gefasst machen
09/01/2012 10:56:02 (Europa/Berlin)
Hat ein IT-Spezialist endlich die Einladung zu dem begehrten Vorstellungsgespräch im Posteingang, lautet der erste Ratschlag zur Vorbereitung meist, sich Antworten auf Fragen zurechtzulegen, die häufig in Jobinterviews gestellt werden: "Wo sehen sich in zehn Jahren?" oder "Was sind ihre Ziele?".
IT-Fachleute sollten sich allerdings auch auf skurrile Fragen gefasst machen wie: "Wenn Sie ein Superheld sein könnten, welche Superkraft würden Sie besitzen wollen"? Andere Personalchefs möchten mitunter wissen, warum Gully-Deckel immer rund sind oder wie wohl M&M's hergestellt werden.
Mit solchen unkonventionellen Fragen wollen IT-Unternehmen in der Regel die Kreativität, Logik und Stressresistenz der Bewerber auf die Probe stellen. Immerhin gehen beispielsweise bei Google täglich fast 3000 Bewerbungen ein, und auf einen Job kommen Schätzungen zufolge 130 Kandidaten.
Skurrile Fragen im Trend
Eigentümliche Fragen, die nichts mit der zukünftigen Arbeit zu tun haben scheinen, liegen im Trend in der IT-Branche. Besonders beliebt sind Rätsel- und Logik-Fragen. Die Website glassdoor.com hat die 25 verrücktesten Fragen bei Bewerbungsgesprächen gesammelt.
Bei einem Interview für IBM wurden Bewerber gefragt, wie Sie einen Elefanten ohne Waage wiegen würden. Ebenso ausgefallen ist die Frage eines Personalleiters, der eine Begründung hören wollte, weshalb nur ein kleiner Anteil der Bevölkerung mehr als 150.000 US-Dollar verdient.
Bei VW in Stuttgart fragte der Personalverantwortliche den verdutzten Bewerber unbestätigten Berichten zufolge, was er tun würde, wenn er eine Pizza von seinem Onkel geerbt hätte. Solche Fragen erwartet man sich als Jobkandidat nun wirklich nicht und ist damit im ersten Moment leicht überfordert. Viele Bewerber versuchen schnell eine Antwort auf die Frage zu finden, anstatt in Ruhe nach einer Lösung zu suchen.
Der Weg zur Lösung ist entscheidend
Ein beliebtes Rätsel bei Google soll die Mixer-Frage sein, berichtet das "Wall Street Journal": "Sie werden auf die Größe einer Münze geschrumpft und in einen Mixer geworfen. Ihre Masse wurde reduziert, so dass ihre Dichte die gleiche wie immer ist. Die Klingen starten in 60 Sekunden. Was machen Sie?" Das Mixer-Rätsel soll dem Interviewer zeigen, wie der Kandidat an die Entwicklung neuer Produkte herangeht. Der IT-Konzern erwartet vom Kandidaten die Fähigkeit zum Brainstorming. Bewerber sollten dabei nicht den erstbesten Gedanken als Lösung herausschleudern, sondern seine Ideen, also den Weg zur Lösung, darlegen und begründen.
Die beste Antwort auf die Mixer-Frage lautet: Aus dem Mixer springen. Wie das möglich sein soll? In der gestellten Frage ist der entscheidende Hinweis versteckt. Die Dichte bleibt, trotz des Schrumpfvorganges gleich. Wenn man auf 1/10 seiner Körpergrösse geschrumpft wird, sind die Muskeln nur noch ungefähr 1/100 so stark, aber das Gewicht beträgt nur 1/1000 des Ursprünglichen. Ein Mini-Mensch wäre daher kräftig genug, um aus dem Mixer-Behälter zu springen.
Design für Bill Gates' Badezimmer
Als Vorreiter bei skurrilen Fragen im Vorstellungsgespräch gilt Microsoft. Der Firmengründer persönlich soll schon früh eine Vorliebe für Logik-Rätsel gehabt haben. Der US-Konzern stellte Bewerbern bereits in den 1980er-Jahren bizarre Fragen. "Wie würden Sie Bill Gates' Badezimmer designen?", soll ein Job-Kandidat mal gefragt worden sein.
Wenn es auch nicht die eine, richtige Antwort gibt, erwartet der Interviewer, dass der Bewerber Gegenfragen stellt, zum Beispiel nach der Größe des zur Verfügung stehenden Raums und nach dem Budget, und der dann seinen Lösungsvorschlag an die gegebenen Bedingungen anpasst.
Das Buch "How would you move Mount Fuji? hat die merkwürdigsten Fragen aus Microsoft-Bewerbungsgesprächen zusammengestellt. Einige davon sollen tatsächlich von Gates persönlich stammen. Nach Microsoft haben andere IT-Firmen wie Facebook oder Amazon, aber auch Banken und Autobauer das Gates-Modell übernommen und testen das kreative Potenzial ihrer Bewerber mit eigentümlichen Fragen. Dabei geht es ihnen nicht zwingend darum, die klügsten oder technisch brillantesten Hirne zu finden. Mit einer Mischung aus fachbezogenen und Rätselfragen soll getestet werden, welche Kandidaten zur Firma passen.
IT-Jobs sind sehr begehrt. Um die richtigen Bewerber heraus zu fischen, gehen Unternehmen oft unkonventionelle Wege.