Contracting von IT-Personal in Österreich – Was ist zu beachten?

Österreichs Unternehmen fehlen die IT-Fachkräfte. Über das richtige IT-Personal zu verfügen, kann jedoch über Fortschritt oder Stillstand eines Unternehmens entscheiden. IT-Entwicklungen sind meist zeitlich begrenzt und werden häufig in Projekten umgesetzt. Daher werden IT-Experten oft nur für einen gewissen Projektzeitraum benötigt. Contracting ist eine Vertragsform, die eine hohe Flexibilität in der Projektplanung sowie Projektabwicklung und Sicherheit in der Kostenkalkulation bietet.

Die Gefahr lauert jedoch in der österreichischen Gesetzgebung. Um Scheinselbstständigkeit und Nachzahlungen von Sozialabgaben und Lohnsteuer zu vermeiden, sind einige Regeln und Abläufe zu beachten. Wie Contracting professionell und rechtskonform vonstattengeht, berichtet uns Sabrina Tzelen, Personalberaterin bei Computer Futures in Wien, im Interview.

Hallo Sabrina, bitte stelle dich kurz unseren Lesern vor.

Ich bin seit Oktober 2017 bei Computer Futures im Contracting in den Bereichen Engineering und IT spezialisiert. Gemeinsam mit meinen Kollegen in Wien unterstütze ich österreichische Unternehmen bei der Umsetzung von Projekten.

Davor war ich ebenfalls in der Personalberatung tätig, allerdings mit dem Fokus auf Arbeitskräfteüberlassung.

 

Kannst du uns kurz erklären, was der Unterschied zwischen Contracting, Interim und Arbeitskräfteüberlassung ist?

Contracting beschreibt den projektbezogenen Einsatz von Spezialisten, die freiberuflich tätig sind. Es handelt sich um Subunternehmer, die engagiert werden, wenn es um sehr spezielle Themenbereiche geht und/oder besonders rasch Unterstützung benötigt wird. Die in den Projekten eingesetzten Berater bringen ihr jahrelanges Expertenwissen ein. Durch ihre hohe Flexibilität sind sie in unterschiedlichen Bereichen einsetzbar und stellen einen enormen Mehrwert für den Projekterfolg dar.

Interim beschreibt ähnlich des Contracting freiberuflich Beschäftigte, bei denen es sich in der Regel um erfahrene, gut ausgebildete Manager handelt. Diese werden für Managementfunktionen angefragt und tragen dabei eine Ergebnisverantwortung. Somit liegt die Besonderheit darin, dass sie projektbezogene, fachliche Weisungsbefugnisse gegenüber intern angestellten Mitarbeitern haben. Bei der Arbeitskräfteüberlassung werden Spezialisten bei der Personalberatung bzw. dem sogenannten Überlasser festangestellt und sind bei verschiedenen Unternehmen im Einsatz. Damit wir als Computer Futures/SThree Austria GmbH umfassend auf die Anforderungen unserer Kunden eingehen können, stellen wir uns in allen Professionen auf und werden ab dem dritten Quartal 2019 unsere Lizenz für das Gewerbe der Arbeitskräfteüberlassung in Österreich anmelden. 

Wir sprechen jedoch von der Überlassung von Experten, da wir Fachkräfte im IT- und Engineering-Bereich im Einsatz haben. Damit bieten wir Unternehmen eine weitere Möglichkeit, Ihre Projekte in diesen Themenfeldern erfolgreich in Angriff zu nehmen.

Wo liegt der Vorteil im Contracting?

Die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, schätzen die hohe Flexibilität, die durch Contracting generiert wird. Freiberufler sind es einerseits gewohnt, sich sehr rasch in neue Projekte einzuarbeiten (bis zu 60% schneller als Festangestellte). Die eingesetzten Berater bringen außerdem Know-how ins Unternehmen, welches ohne externe Unterstützung oftmals nicht vorhanden ist. Die Arbeitskräfteüberlassung ist dabei weiterhin eine wichtige Möglichkeit, um zusätzliche Fachkräfte zu engagieren. Im Hinblick auf die Ansprüche der Generation Y, eine hohe Flexibilität sowie die Bearbeitung interessanter und abwechslungsreicher Aufgaben vorzufinden, wird Contracting immer relevanter.

Worauf sollten Auftraggeber achten, wenn sie Contracting beauftragen?

Im ersten Schritt muss die Erwartungshaltung des Unternehmens genau aufgenommen werden. Wichtige Fragen sind:

  • Was soll durch Contracting genau abgedeckt werden und was nicht?
  • Wie soll die Zusammenarbeit gestaltet werden?
  • Welche Faktoren sind im Rahmenvertrag eingebaut, um das Scheinselbstständigkeitsrisiko zu minimieren?
  • Hat die Personalberatung ein Gewerbe für IT-Beratung angemeldet?

Zusätzlich ist auf die vertragliche Gestaltung und die Unterscheidung zur Festanstellung zu achten: Um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, sind vor allem vermeintliche Kleinigkeiten zu berücksichtigen. Diesen wird oft nicht viel Bedeutung zugeschrieben – allerdings sind gerade die Details im Nachhinein bei einer Prüfung entscheidend. Dabei beginnt die vertragliche Gestaltung bei genauen Formulierungen im Vertrag, geht weiter zur Bezeichnung der E-Mail-Adresse und reicht bis hin zu Firmenfeiern. Computer Futures übernimmt gerne die Vertragsgestaltung und -abwicklung. So können sich Unternehmen sicher sein, dass dieser rechtskonform gestaltet ist.

Was sind die typischen Fehler im Contracting und wie können sie vermieden werden?

Typische Fehler sind insbesondere zu lange Reaktionszeiten auf die übermittelten Profile und/oder nach dem Interview. Die eingesetzten Spezialisten sind sehr gefragt und bekommen oft mehrere Anfragen. Durch zu lange Wartzeiten riskiert man es, die Freiberufler an Marktbegleiter zu verlieren. Doch genau das soll vermieden werden. Die Entscheidungsträger müssen sich bewusst sein, dass rasche Prozesse das A und O sind, um die besten Berater für das Projekt zu gewinnen. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass der Prozess mit einem Freiberufler anders gehandhabt werden muss, als es bei einem festangestellten Kandidaten der Fall ist.

In welchen Bereichen setzt ihr Contracting am häufigsten ein?

Wir unterstützen unsere Kunden oft bei sehr innovativen Projekten, wie beispielsweise Neuentwicklungen, bei denen Spezialisten mit externem Know-how gefordert sind. Zudem handelt es sich häufig um zeitkritische Aufgaben, die durch Freiberufler schnell zu besetzen sind.

Was sind deine drei Tipps an Unternehmen, die IT-Personal via Contracting einsetzen wollen?

  1. Definieren, für welchen Bereich ein Spezialist benötigt wird.
  2. Beratung zur vertraglichen Gestaltung und Umsetzung einholen.
  3. Richtlinien für die Zusammenarbeit festlegen.

Vielen Dank für das Interview!

Ihr Unternehmen ist in Österreich oder aber Deutschland oder der Schweiz ansässig? Wir unterstützen Sie gerne und beraten Sie umfassend im Bereich Contracting. Kontaktieren Sie uns jetzt ganz unverbindlich! Unsere Berater stehen Ihnen gerne zur Verfügung.