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Die Pandemie hat die Welt herausgefordert und zum Teil tiefe Spuren hinterlassen. Sie rüttelte an unserem Wertegerüst und hat viel sicher Geglaubtes über Bord geworfen. Im Bereich der digitalen Transformation hat sie gleichzeitig einiges angestoßen. Entwicklungen, die jahrelang nur diskutiert wurden, waren auf einmal Realität. Und auch dem weltweiten Datenverkehr haben die letzten Monate gewaltigen Auftrieb verliehen und mehr und mehr Unternehmen sehen die Notwendigkeit, die ihnen in immer größerer Zahl vorliegenden Daten, systematisch auszuwerten und strategisch zu nutzen. Doch was ist derzeit und mittelfristig wichtig in Sachen Data Analytics? Womit sollten sich Unternehmen jetzt beschäftigen, auf welche Herausforderung müssen sie sich einstellen?

1. Diversität und ethische Fragestellungen wandeln die Rolle des Chief Data Officers (CDO)

CDOs sind heute nicht mehr nur für Management, Governance und Auswertung von Daten verantwortlich, sondern werden zunehmend auch bei der Festlegung von Strategien für Datenethik eine entscheidende Rolle spielen. Wie Unternehmen die Daten nutzen und wie lange sie gespeichert werden, wie die Algorithmen zustande kommen, wer sie überwacht und ob Unternehmen bestimmte Daten überhaupt benötigen – all diese Fragen werden in der Öffentlichkeit immer vehementer diskutiert. Da immer mehr CDOs eingesetzt werden, zeichnet sich ab, dass diese SpezialistInnen großen Einfluss auf die Gestaltung ethischer Standards haben werden. Dabei bewegen sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Vertrauen auf der einen Seite und der Nutzung von Innovationen im Bereich Daten auf der anderen Seite. Dieses Spannungsfeld wird sich durch den verstärkten Einsatz von KI und Machine Learning weiter verschärfen und nahezu alle Unternehmen aller Branchen beschäftigen.

2. Ausbau der Datendemokratisierung

Ausgelöst durch den verstärkten Umstieg auf die Cloud gehen wir von höheren Investitionen innerhalb der Unternehmen für die Datendemokratisierung aus. Bereits vor COVID-19 haben wir Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die zeigten, dass 58 Prozent der Unternehmen mehr Mitarbeitern Zugriff auf Daten gewähren möchten. Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine Verlangsamung dieses Trends – und gleichzeitig ist das Wissen rund um Daten in den Unternehmen noch nicht wirklich angekommen, wie unsere aktuelle Studie „Data connects people“ zeigt. Klar ist: Datendemokratisierung steht in vielen Unternehmen noch am Anfang und erfordert dabei mehr als nur einen technologischen Wandel – sie verlangt ein neues, offenes und agiles Mindset in den Unternehmen. Es könnte und sollte daher über alle Bereiche hinweg zu großflächigen Impulsen für eine verbesserte Datenkultur und die Umsetzung neuer Verhaltensmuster auf Unternehmensebene kommen. Wissen über Daten darf kein Herrschaftswissen bleiben, wollen Unternehmen das volle Potenzial von Datenanalysen wirklich nutzen und sich so zukunftsfähig aufstellen.

3. Automatisierung für mehr Effizienz und Kostenoptimierung

Immer mehr Unternehmen werden vermehrt einen Schwerpunkt auf die Automatisierung ihrer Prozesse legen, um die Schnelligkeit und Agilität der Datenteams zu erhöhen. Viele Unternehmen sind zurzeit in der 80/20-Falle gefangen. Das bedeutet, dass bei der Datenbereitstellung 80 Prozent des Aufwands auf die Organisation und Aufbereitung der Daten und nur 20 Prozent auf ihre Analyse und Nutzenmaximierung entfallen.

Um diese Schieflage zu korrigieren, sollten Datenteams die Effizienz sowie den ROI von Investitionen im Zusammenhang mit der Datenbereitstellung erhöhen, indem man alltägliche, banale Tätigkeiten orchestriert und nur noch übergeordnete und anspruchsvollere Aufgaben von Menschen durchführen lässt. Das eröffnet neuen Raum für Kreativität und ist nicht zuletzt ein Argument im Recruiting, denn junge, gut ausgebildete ExpertInnen möchten sich in ihrem Alltag nicht schwerpunktmäßig mit Routineaufgaben beschäftigen, die auch Maschinen erledigen könnten.

4. Künstliche Intelligenz (KI) und kollaborative Intelligenz helfen bei Entscheidungsfindungen

KI erstreckt sich auf den menschlichen Bereich ebenso wie auf den Bereich der Technologie. Wir erwarten, demnächst beim Umstieg hin zu einer stärker datenbasierten Entscheidungsfindung vermehrt das zu sehen, was wir als kollaborative Intelligenz bezeichnen – also die Kombination von menschlichem Know-how und KI.

Dieses Konzept wird in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld immer wichtiger. Hier stellen sich vor allem zwei Fragen: Wer erledigt künftig welche Aufgaben? Und: An welchen Stellen wird KI menschliche Fähigkeiten ergänzen und verbessern, statt sie zu ersetzen?

5. Data Storytelling als Initiative für mehr Datenkompetenz

Digitale Unternehmen müssen datenbasiert sein. Und dabei geht es nicht nur um die Technologie. Vielmehr müssen Firmen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter den Wert der Daten erkennen und wissen, wie man sie am besten nutzt. Diese Fähigkeiten werden auch als Datenkompetenz bezeichnet. Um dem bereits oben erwähnten Mangel an Datenkompetenz entgegenzutreten, werden engagierte Unternehmen zur Verbesserung ihrer Datenkompetenzprogramme über die Einführung von Data-Storytelling-Projekten nachdenken. Beim Storytelling geht es um die Nutzung unserer angeborenen Fähigkeit zum Lernen über Geschichten. Denn unser Gehirn liebt Geschichten. Sie wecken unsere Neugierde, aktivieren Emotionen, regen zu Gesprächen an und sorgen dafür, dass wir Informationen besser aufnehmen und in unserem Gehirn abspeichern können. Daher gilt es, die Geschichten hinter den Daten zu erzählen. Gleichzeitig sollte das Thema Datenkompetenz auch bei den jüngeren Generationen verstärkt in den Fokus rücken. Denn Digital Natives heißt nicht unbedingt, dass die Jugendlichen Daten auch wirklich verstehen, wie unsere aktuelle D/Natives-Studie zeigt.

Fazit

Wollen Unternehmen den Schritt in die digitale Zukunft strategisch ernsthaft angehen, müssen sie sich mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich Data Analytics beschäftigen. Denn das Thema Daten wird eine immer größere Rolle spielen und insbesondere die jungen, gut ausgebildeten IT-Spezialisten sind auf der Suche nach den innovativsten und damit zukunftsfähigsten Unternehmen in diesem Bereich. Wer die Trends kennt, dafür offen ist und die Entwicklung hin zum datengetriebenen Unternehmen mit einer agilen Unternehmenskultur ermöglicht, wird im „War for talents“ einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben.

Über den Autor

Mathias Golombek, ExasolMathias Golombek begann seine Karriere bei Exasol 2004 als Software Entwickler, übernahm zwischenzeitlich die Verantwortung für das R&D Team und wurde 2013 als CTO Mitglied der Geschäftsführung. Er ist für die Technologie zuständig, möchte vor allem aber auch ein außergewöhnliches Arbeitsumfeld erzeugen, in dem smarte Leute ein superspannendes Produkt weiterentwickeln.