taxes.jpg

Im Jahr 2020 waren im April über 6 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Noch im November 2020 waren es knapp 2 Millionen. Für Arbeitgeber war und ist die Kurzarbeit ein wichtiges Instrument, um die eigene Liquidität zu sichern und (betriebsbedingte) Kündigungen zu verhindern. 

Doch nicht nur beim Antrag auf Kurzarbeit gibt es eine Menge an Formalien zu berücksichtigen. Auch Arbeitnehmer, die sich innerhalb eines Jahres in Kurzarbeit befanden, müssen bei der Steuererklärung später einiges beachten, auch dann wenn sie beim Abgeben der Steuererklärung nicht mehr in Kurzarbeit sind. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Informationen und Tipps ohne Gewähr. Die Inhalte entsprechen keiner fachlichen steuerrechtlichen Beratung.

Wann handelt es sich überhaupt um Kurzarbeit?

Bei Kurzarbeit handelt es sich um eine temporäre Verkürzung der üblichen Arbeitszeit. Um den Lohnausfall zu kompensieren, übernimmt der Staat bei angemeldeter Kurzarbeit bis zu 87 Prozent des Verdienstausfalls, abhängig davon, wie lange die Kurzarbeit dauert und ob der Arbeitnehmer Kindergeld bezieht.

Unternehmen können Kurzarbeit beim zuständigen Arbeitsamt beantragen, wenn laut SGB III ein erheblicher Arbeitsausfall1 besteht. „Erheblich“ bedeutet in diesem Fall, dass mindestens 10 Prozent der Angestellten im Betrieb im laufenden Kalendermonat mit mehr als 10 Prozent Entgeltausfall rechnen müssen. Gründe für den Arbeitsausfall können wirtschaftlich bedingt sein oder aufgrund eines „unabwendbaren Ereignisses“ entstehen, wie z.B. der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen.

Die Arbeitszeit in Kurzarbeit darf maximal 90 Prozent der üblichen Arbeitszeit betragen. Nach unten gibt es keine Grenze. Bei „Kurzarbeit Null“ sind Arbeitnehmer komplett von ihrer Arbeit freigestellt.

Muss ich nach dem Bezug von Kurzarbeitergeld eine Steuererklärung abgeben?

Üblicherweise ist die Abgabe einer Steuererklärung für angestellte Arbeitnehmer in der Steuerklasse 1 sowie für Verheiratete Arbeitnehmer in der Steuerklasse 4/4 nicht verpflichtend.

Wer jedoch innerhalb eines Jahres mindestens 410 Euro Kurzarbeitergeld bezieht, muss im Folgejahr eine Steuererklärung abgeben. Als Frist gilt der 31. Juli des Jahres, nachdem der Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld erhalten hat.

Tipp 1: Wer bisher keine Steuererklärung abgegeben hat, sollte die Pflicht zur Abgabe als Chance nutzen. So können z.B. Arbeitnehmer, die aufgrund der Corona-Krise im Homeoffice gearbeitet haben, 5 Euro pro Tag von der Steuer absetzen. Der Freibetrag ist auf maximal 600 Euro beschränkt. Von dieser Regelung können vor allem diejenigen profitieren, die keine Werbekosten angeben können, weil die Voraussetzungen für den Abzug der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nicht gegeben sind.

Tipp 2: Wenn Sie ohnehin eine Steuererklärung aufgrund des Bezugs von Kurzarbeitergeld abgeben müssen, sollten Sie auch alle Möglichkeiten der steuerlichen Begünstigungen nutzen. Haben Sie 2020 z.B. Handwerker in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung für „haushaltsnahe Dienstleistungen“ beauftragt? Dann können Sie die Arbeitskosten steuerlich geltend machen.

Tipp 3: Alleinerziehende in der Steuerklasse II können für 2020 einen Entlastungsbeitrag von 4.008 Euro pro Jahr steuerlich geltend machen. Für jedes weitere Kind erhöht sich dieser Beitrag um 240 Euro.

Muss ich für das Kurzarbeitergeld Steuern bezahlen?

Grundsätzlich ist das Kurzarbeitergeld steuerfrei. Auch Arbeitgeberzuschüsse zur Aufstockung des Kurzarbeitergelds sollen bis Ende 2021 steuerfrei bleiben. Letzteres wurde im Dezember 2020 vom Bundestag beschlossen.2 

Auch wenn das Kurzarbeitergeld steuerfrei ist, gilt es dennoch als Einkommen. Dadurch kann sich der Steuersatz erhöhen, weshalb Arbeitnehmer dann trotz Kurzarbeitergeld mehr Einkommensteuer bezahlen müssen.

Verantwortlich dafür ist der sogenannte „Progressionsvorbehalt“. Dieses steuerrechtliche Prinzip bedeutet, dass Lohnersatzleistungen von der Lohnsteuer befreit sind, diese jedoch zum versteuernden Einkommen hinzugerechnet werden. Ist das bei einem Arbeitnehmer der Fall, kann sich aufgrund des höheren Einkommens der Steuersatz erhöhen. Entsprechend höher fällt dann die zu zahlende Einkommensteuer aus. 

Muss ich durch den Progressionsvorbehalt nach dem Bezug von Kurzarbeitergeld Steuern nachzahlen?

Grundsätzlich bedeutet der Bezug von Kurzarbeitergeld nicht automatisch, dass Sie Einkommensteuer nachzahlen müssen.

Haben Sie in „Kurzarbeit Null“ Kurzarbeitergeld bezogen, hatten sie auch keinen Teilzeitlohn. Hatte Ihre Ehepartnerin oder Ihr Ehepartner ebenfalls keine Einkünfte, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Aufforderung zur Steuernachzahlung erhalten.

Allerdings sollten Sie genau prüfen bzw. prüfen lassen, ob Sie von einer möglichen Nachzahlung betroffen sind, wenn Sie z.B. nur zu 50 Prozent in Kurzarbeit waren und wenn Sie z.B. steuerlich mit einer berufstätigen Person gemeinsam veranlagt werden.

Wie sieht es aus, wenn ich einen Nebenjob während der Kurzarbeit ausübe?

Grundsätzlich dürfen Sie einen Nebenjob während der Kurzarbeit annehmen. Hatten Sie bereits vor der Kurzarbeit einen Nebenjob, dürfen die Einkünfte daraus nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werden, unabhängig davon, wie hoch diese ausfallen.

Nehmen Sie aber während der Kurzarbeit einen Nebenjob an, darf Ihr Gesamteinkommen mit dem Kurzarbeitergeld nicht höher sein als das bisherige monatliche Einkommen. Liegen Ihre Einkünfte darüber, müssen Sie mit einer Kürzung des Kurzarbeitergelds rechnen.

Auch steuerlich sollten Sie darauf achten, dass Sie mit der Annahme eines Nebenjobs in Kurzarbeit nicht in eine höhere Steuerklasse kommen und nach der Prüfung Ihrer Steuererklärung später Einkommensteuer nachzahlen müssen.

Ein Tipp: Wenn Sie erfahren, dass Sie im kommenden Monat in Kurzarbeit gehen, können Sie einen 450-Euro-Job annehmen. Das Einkommen des Minijobs wird dann nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet und Sie können eventuelle Verdienstausfälle steuerfrei ausgleichen. Lassen Sie sich am besten im Vorfeld von Ihrem Steuerberater beraten.

Wer Kurzarbeitergeld bezieht, wird voraussichtlich eine Steuererklärung abgeben müssen

Das Kurzarbeitergeld ist für Angestellte eine wichtige Hilfe, weil sie einen staatlich subventionierten Ausgleich für den Verzicht auf Gehalt erhalten. Wer dadurch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, sollte diese Chance nutzen, um noch mehr Steuern zu sparen. Das gilt insbesondere dann, wenn durch den Bezug von Kurzarbeitergeld ein höherer Steuersatz angewandt wird und eine Nachzahlung droht. Am besten lassen Sie sich von einem Steuerberater fachkundig beraten, um die beste Lösung für Sie zu finden.

 

______________________________________________________________________________________________________

Quellen:

Vgl.: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__96.html (Stand 24. Februar 2021)

2 Vgl.: https://www.bundestag.de/hib (Stand 24. Februar 2021)